27.09.11 |
Neuer Chefarzt Psychosomatik ab Januar 2012 in der Saale Reha-Klinik I in Bad Kösen
Dr. Kötschau stellt sich vor
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| Dr. med. Gerd Kötschau, Chefarzt Psychosomatik ab 1. Januar 2012 |
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Galerie
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Bad Kösen, aktuell als Stadteil von Naumburg "eingemeindet", liegt im Burgenlandkreis im Bundesland Sachsen-Anhalt. Den Namen verdankt der Landkreis den historischen Burgen, die zu erlebnisreichen Ausflügen einladen. In weniger als einer Stunde Fahrtzeit mit Bahn oder Auto erreicht man die Weinstadt Freyburg, die traditionsträchtige Stadt Weimar, die Blumenstadt Erfurt oder die alten Universitätsstädte Jena, Halle und Leipzig. Reichlich Sonnenschein, das milde Klima, die natürlichen Heilquellen, die landschaftlich reizvolle und historisch interessante Umgebung werden von Urlaubern, Naturfreunden und Kulturliebhabern geschätzt. In dieser Umgebung, die häufig als Toskana des Ostens bezeichnet wird, liegt die Saale Reha-Klinik I, eine Fachklinik für Orthopädie und Psychosomatik. Die Abteilung Psychosomatik ist im Juni 2010 mit 60 Betten eröffnet worden.
Menschen mit psychischen bzw. psychosomatischen Erkrankungen im Erwachsenenalter leiden häufig unter einem chronischen Verlauf, rezidivierenden Verschlechterungen und weisen oft ein hohes Co-Morbiditätsspektrum auf. Eine medizinische Rehabilitation ist oft dann erforderlich, wenn krankheitsbedingte Schädigungen zu nicht nur vorübergehenden Fähigkeitsstörungen geführt haben bzw. sie die Teilhabe an wichtigen Lebensbereichen beeinträchtigen.
Um nach dem neuesten medizinisch-wissenschaftlichen Standard umfassend therapiert zu werden, gehört eine große fachliche Kompetenz gepaart mit einer herzlichen, menschlichen Atmosphäre.
Durch den demografischen Wandel werden Experten zufolge psychosomatische Krankheiten stark zunehmen. Um diese Erkrankungen optimal behandeln zu können, verstärkt sich die Saale Reha-Klinik I mit einem weiteren Experten. Herr Dr. Gerd Kötschau wird ab dem 01.01.2012 neuer Chefarzt der Psychosomatik in der Saale Reha-Klinik I in Bad Kösen.
Herr Dr. Kötschau ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie und Rehabilitationswesen. In Freiburg absolvierte er sein Medizinstudium und promovierte dort 1979. Weitere berufliche Stationen waren Andernach und Bad Meinberg. Seit April 2007 ist er Chefarzt der Psychosomatik in der Teutoburger-Wald-Klinik (TWK) des MZG in Bad Lippspringe.
Die Psychosomatik in der Saale Reha-Klinik I arbeitet eng mit der Orthopädie zusammen, gemeinsam wird eine großzügige Physiotherapieabteilung vorgehalten, so dass alle psychosomatischen Krankheitsbilder, die mit orthopädischen Begleiterkrankungen einhergehen, optimal mitbehandelt werden können.
Die neue Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Gerd Kötschau erlaubt eine optimale Rehabilitation für Patienten mit den zusätzlichen Schwerpunkten:
Alterspsychotherapie, Multimodale Schmerztherapie, Musiktherapie und Lehrergesundheit.
Im folgenden Beitrag skizziert Herr Dr. Kötschau diese vier geplanten Schwerpunkte. In der neben stehenden Bildergalerie stellen wir Ihnen Herrn Dr. Kötzschau und sein Team vor.
Nach 25 Jahren klinischer Erfahrung ist es wichtig, bewährtes in der psychosomatischen Rehabilitation auszubauen und zu optimieren, z. B. die Synergieeffekte mit der Orthopädie im Gebiet der Schmerztherapie. Ebenfalls ist es wichtig, sich auf neue gesellschaftliche Bedingungen im Einklang mit den Vorgaben der DRV auszurichten. Gemeint sind die zunehmenden Arbeitsplatzprobleme der erwerbstätigen Bevölkerung, Absentismus, Präsentismus, Stress und Burnout sowie die Notwendigkeit von berufsbezogener Psychotherapie. Auch die sich wandelnde demografische Entwicklung mit einhergehendem Verlust von körperlicher und mentaler Autonomie stellt eine Herausforderung an die Psychosomatik dar. Die neu geplanten Schwerpunkte in der Psychosomatik Saale Rah-Klinik I sind sinnvolle und angemessene Antworten auf diese neuen Herausforderungen.
1. Alterspsychotherapie
Aufgrund der demographischen Veränderungen liegt der Anteil der über 60-jährigen an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik heute schon mit insgesamt 18,4 Millionen bereits bei 22 %. Wenn sich schwierige Lebenssituationen wie chronische Krankheiten, drohende oder vorhandene Pflegebedürftigkeit, der Verlust des Partners und Einsamkeit häufen, antworten viele mit einer tiefen Depressivität und Hilflosigkeit. Die Suizidrate steigt im Alter dramatisch an; bei Männern über 65 Jahre ist sie mehr als doppelt so groß wie in der gesamten männlichen Bevölkerung.
Felduntersuchungen zur alterspsychiatrischen Morbidität gehen in den deutschsprachigen Ländern von einer Prävalenzrate von mindestens 11-12% an neurotischen, psychoreaktiven und psychosomatischen Erkrankungen aus. Häufig tauchen in diesem Lebensabschnitt auch Traumatisierungen aus der Kindheit wieder auf. Gerade die Kriegsgeneration hat viele schmerzhafte Erlebnisse verdrängt, die im Alter dann Ängste und Depressionen verstärken können.
Der Bedarf an einem intensiven psychotherapeutischen Angebot, das sich speziell an diese Altersgruppe richtet, ist sehr hoch. Ältere Menschen können vor Psychotherapie erst einmal zurückschrecken, viele hatten in ihren Jugendjahren nicht gelernt, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, doch zeigt die Erfahrung, dass die meisten Menschen sehr positiv auf ein Gesprächsangebot reagieren.
Doch nur sehr wenige Einrichtungen bieten eine multimodale Therapie im Rahmen einer Alterspsychotherapie und Gerontopsychosomatik an. Von den über 65-jährigen in Deutschland wird gegenwärtig nur etwa 1% psychotherapeutisch betreut.
Eine besondere Rolle spielt dabei die Gruppentherapie. Die Menschen kommen miteinander ins Gespräch und können viel voneinander lernen, sie fühlen sich hier – anders als in altersgemischten Gruppen – eher verstanden, weniger einsam und mit ihren Schwierigkeiten geachtet. Sie erfahren, wie andere mit den zunehmenden Einschränkungen im Alter oder mit erfahrenen Verlusten umgehen. Emotionale Konflikte können bearbeitet werden. Unangemessenes Verhalten kann eine bessere Anpassung erfahren und die Bewältigung von Krankheit und Einschränkung unterstützt werden. Unter intensiver altersadaptierter Psychotherapie wird ermöglicht, komplexe Krankheitsbilder vor dem Hintergrund der Alterungsprozesse und körperlichen Einschränkungen zu akzeptieren und zu bewältigen.
Neben der Gruppentherapie werden Einzelgespräche, Gespräche mit Angehörigen, Kunst- und Gestaltungstherapie sowie Entspannungs- und Bewegungstraining, Aktivierung, freies Singen, Yoga oder Gymnastik im Sitzen und kognitives Training angeboten. Organische Erkrankungen können medizinisch mitbehandelt und die Pharmakotherapie optimiert werden. Ebenso kann eine Sozialberatung erfolgen.
Für jeden Patienten wird gemeinsam ein individueller Behandlungsplan erarbeitet.
Unser Ziel ist es, eine größtmögliche anhaltende Eigenständigkeit des Patienten zu erreichen, mit sozialen Kontakten und sinnvollen Aufgaben im Rahmen einer Reha vor Pflege.
Literatur:
Adler Georg (2005). Verhaltens-Einzelpsychotherapie von Depressionen im Alter. Schattauer.
Demling, J. und Lungershausen, E. (1989). Suizidalität, in: D. Platt (ed.), Handbuch der Gerontologie, Bd. 5: Neurologie, Psychiatrie, Stuttgart/New York, 285-296.
Erlemeier, N. (1988). Suizidalität im Alter. Zeitschrift für Gerontologie, Vol. 21. Darmstadt. 267-276.
Heuft, G., A. Kruse, H. Radebold (2000), Lehrbuch der Gerontopsychosomatik und Alterspsychotherapie, UTB Reinhardt, München, (2. Aufl. 2006).
Maercker, A. Alterspsychotherapie und klinische Gerontopsychologie, Springer Berlin, (2002).
Radebold, H., R. Schweizer (1996), Der mühselige Aufbruch — über Psychoanalyse im Alter, Fischer — Taschenbuch 13071, Frankfurt (Reihe Geist und Psyche). 2. Auflage: Reinhardt, München, 2001.
Radebold, H. (2005) Die dunklen Schatten unserer Vergangenheit, Ältere Menschen in Beratung, Psychotherapie, Seelsorge und Pflege, Klett-Cotta.
Schmid-Ott et al. Rehabilitation in der Psychosomatik, Schattauer 2008,
Wolfersdorf, M. Depressionen erkennen, verstehen, bewältigen. Balance 2007.
2. Multimodale Schmerztherapie
Nach Schultz-Venrath (1998) ist es in den letzten 15 Jahren zu einem mehr als 100%-igen Anstieg der muskulo-skelettalen Beschwerden gekommen. Mehr als 8 Millionen Menschen (10-17% der Bevölkerung) leiden in Deutschland unter behandlungsbedürftigen, chronischen Schmerzen. Die Behandlung, Rehabilitation und daraus folgende vorzeitige Berentung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen verursachen bis zu 25 Mrd. Euro Kosten (Antwort der Bundesregierung 2003) und zählen damit zu den teuersten Erkrankungen im deutschen Gesundheitssystem. Nur bei etwa 20% der von Rückenschmerzen Betroffenen kann eine körperliche Ursache diagnostiziert werden. In 80% der Fälle sind die Schmerzen Folge einer Wechselbeziehung körperlicher, seelischer, sozialer, beruflicher und iatrogener Faktoren (Schätzung des Statistischen Bundesamt, Leitlinie zur sozialmedizinischen Beurteilung der Leistungsfähigkeit, DRV 26.06.2009).
Für Patienten, bei denen Schmerzen ihre Warnfunktion verloren haben und welche eine Einschränkung der Lebensqualität in körperlicher, seelischer und sozialer Hinsicht erfahren, sind sowohl eine geschlossene Gesprächstherapie als auch eine geschlossene Bewegungsgruppe in enger Zusammenarbeit mit der Orthopädie geplant. Eine sechswöchige Therapie mit ca. 100-120 Stunden lässt positive Ergebnisse und eine gute „return-to-work“ Rate erwarten.
Jede Woche steht unter einem Oberthema, das alle Therapieangebote wie ein roter Faden durchzieht. In der 1. Woche geht es um die Akzeptanz der derzeitigen Situation. Hier kann bei Bedarf auch eine Gruppenstunde zur Klärung der Motivation und möglicher Widerstände, Fragen und Missverständnisse genutzt werden. In der 2. Woche erfolgt die Anregung, Ressourcen und Ziele zu entwickeln. In der 3. Woche werden z. B. anhand von Rollenspielen soziale Kompetenzen sowie der Umgang mit Konflikten vermittelt und eingeübt. Im Fokus der folgenden Woche steht das Erarbeiten eines körperlichen und seelischen Gleichgewichts. In den letzten zwei Wochen wird insbesondere der Konsolidierung und dem Transfer der neu erlernten Verhaltensweisen bzw. der neuen Einstellung in den privaten und beruflichen Alltag Beachtung geschenkt.
Die Therapien sind multimodal im Ansatz. Bei uns bedeutet Multimodalität den ganzheitlichen Fokus aus dem Blickwinkel verschiedener Heilberufe in der Behandlung und Genesung der Patientin bzw. des Patienten. Die therapeutischen Mittel schließen folgende Bereiche ein: Ein lösungsfokussiertes Schmerzbewältigungstraining; ärztliche Information zur Anatomie, Physiologie, Gate control-Theorie und Medikamente; Entspannungstechniken, Kunst- oder Gestaltungstherapie; aufbauende Bewegungsgruppe mit diversen Ansätzen, TENS; Medikamente; und Physiotherapie je nach Indikation. Bei Bedarf kann eine individuelle psychotherapeutische Betreuung stattfinden.
Literatur:
Antwort der Bundesregierung, Drucksache 15/2295 vom 22.12.2003, adäquate Versorgung von Schmerzpatienten.
Bonica J. J.: The Management of Pain, 2nd ed. Philadelphia: Lea & Febigger, 1990.
Egle, U. T. & Hoffmann, S. O. (1993). Der Schmerzkranke . Stuttgart: Schattauer.
Engel GL: The need for a new medical model. Science 196, 129-136, 1977.
Flor et al.: Efficacy of multidisciplinary pain treatment centers. Pain 49, 221-230.
Nagel, B. & Korb, J.: Multimodale Therapie des Rückenschmerzes. Nachhaltig wirksam und kosteneffektiv. In: Der Orthopäde 38 (10), (2009), S. 907-912.
Guzman et al.: Multidisziplinary bio-psycho-social rehabilitation for chronic low back pain. Cochrane database of systematic reviews 2002, Issue 1.
Hasenbring M.: Chronifizierung bandscheibenbedingter Schmerzen. Risikofaktoren und gesundheitsförderndes Verhalten. Schattauer Verlag, Stuttgart, 1992.
Hildebrandt, J. & Pfingsten, M.: Vom GRIP zur multimodalen Schmerztherapie. Ein Konzept setzt sich durch. In: Der Orthopäde 38 (10), (2009), S. 885-895.
Hüppe A., Raspe H.: Zur Wirksamkeit von stationärer medizinischer Rehabilitation in Deutschland bei chronischen Rückenschmerzen. Die Rehabilitation, 44. 24-33, 2005.
Lamb S. et al.: Psychotherapie lindert Rückenschmerzen, Lancet 2010, 101016/S0140-6736 aus www.aerzteblatt.de/nachrichten/40232.
Mittag und Raspe: Eine kurze Skala zur Messung …Rehabilitation 42, 169-174, 2003.
Pfingsten M. et al.: Das Göttinger Rücken Intensiv Programm, Schmerz 11, 418-29, 1997.
Psychosozial, 18. Jahrgang Nr. 62 1995 Heft IV. Schwerpunktthema: Der Psychotherapeut im Spannungsfeld von Praxis, Forschung und sozialer Verantwortung. Hans Strotzka zum Gedenken. Herausgegeben von Dieter Beckmann und Ludwig Reiter.
Weh, L. & Marnitz, U.: Der Orthopäde im interdisziplinären Setting. Multimodale Therapie beim chronischen Rückenschmerz. In: Der Orthopäde 38 (10), (2009), S. 913-919.
3. Musikermedizin
Ein recht junges Fachgebiet ist die Musikermedizin. Sie ist vergleichbar mit der Sportmedizin. Seit 20-30 Jahren wird die hohe Erkrankungsrate bei Berufsmusikern in internationalen wissenschaftlichen Studien untersucht. Die erste Studie ist auf Schmidtke und Schmale im Jahre 1985 zurückzuführen, welche eine Untersuchung an 1.803 Orchestermusikern vornahmen. 40-80 % der Untersuchungsteilnehmer gaben an, unter gesundheitlichen Beschwerden zu leiden, deren Ursachen sie in ihrer Berufsausübung sahen. In einer groß angelegten Studie in den USA durch Fishbein und Middlestadt (1986) mit 2.212 professionellen Orchestermusikern berichteten 76% der Probanden von mindestens einem gravierenden gesundheitlichen Problem, das im Zusammenhang mit dem Musizieren gesehen wurde. Laut einer Studie von Seidel (1998) zeigen bereits 85 % der Musikstudenten starke Beeinträchtigungen vor allem aufgrund von Aufführungsängsten. Brown (1997) untersuchte junge Musiker im Alter von 10 bis 22 Jahren und stellte fest, dass 66 % an Muskel- und Skelettbeschwerden litten. Auch Cayea (1998) kam zu ähnlichen Ergebnissen: in dieser Studie litten 66 % der Musikstudenten an körperlichen Beschwerden vor allem die oberen Extremitäten betreffend.
Musiker leiden oft unter körperlichen Einschränkungen wie Schmerzen, Fehlhaltungen, muskuläre Verspannungen, fokale Dystonie, degenerative Gelenkerkrankungen, Stimm- und Hörprobleme werden von den Berufsmusikern als sehr belastend erlebt und können zu vorzeitiger Berufsunfähigkeit führen. Zum Beispiel ist uns Beethoven als berühmter Musiker mit einer massiven Hörschädigung und späterer völliger Taubheit bekannt. Der gefeierte Pianist Leon Fleisher litt am sogenannten "Musikerkrampf", der fokalen Dystonie, wodurch sich die Bewegung seiner Finger der willentlichen Kontrolle entzogen. Musiker leiden auch unter psychischen Belastungen wie dem so genannten „Lampenfieber“, Konkurrenz- und Perfektionsdruck sowie unsicheren Karrierechancen. Diese Formen der psychischen Belastung können unter Umständen somatische Krankheiten verschlechtern oder gar mit verursachen.
Vor diesem Hintergrund möchte die Saale Reha-Klinik I in Bad Kösen künftig für Berufsmusiker spezifische Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien anbieten. Hierbei ist es wichtig, die verschiedenen Krankheitsbilder interdisziplinär und ganzheitlich zu behandeln. Die Musikermedizin kann grafisch als Schnittfläche aus den drei Kreisen Orthopädie, Neurologie und Psychosomatik dargestellt werden. Entsprechend kreativ sind besondere Behandlungsstrategien für den einzelnen Berufsmusiker zu entwickeln.
Im Einzelnen gilt es beim Patienten das „Overuse-Syndrom“ und dessen Auslöser unter anderem zu identifizieren, Übehygiene und Übedisziplin zu erlernen und für die Prävention und spieltechnische Ökonomie zu sensibilisieren. Ebenso sollte ein Fokus auf den Ausgleich muskulärer Dysbalancen, das frühzeitige Wahrnehmen von Fehlbelastungen und körperlicher Trainingsmöglichkeiten gelegt werden. Dabei sind das Einüben von sensomotorischen Afferenzen und die Deutung deren Wertigkeit wichtig. Für das geplante Eröffnungssymposium unter neuer ärztlicher Leitung am 24.02.2011 haben wir bereits die Zusage von Frau Prof. Dr. Maria Schuppert, Zentrum für Musikergesundheit, Hochschule für Musik Detmold, Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM), erhalten.
Literatur:
Brown, A.: Musculusskeletal missuse among youth symphony string players, in: Medical problems of performing artists, Vol. 12 Nr. 1, März 1997.
Cayea, D. et al.: Instrument-specific rates of upper-extremity injuries in music students, in: Medical problems of performing artists, Vol. 13 Nr. 1, März 1998.
Fishbein, M., Middlestadt, S. E.: Medical problems among ICSOM musicians Overview of a National Survey, in: Medical Problems of Performing Arts, Vol. 3 Nr. 1, März 1988.
Samsel W., Marstedt G., Möller H., Müller R. Musiker-Gesundheit: Ergebnisse einer Befragung junger Musiker über Berufsperspektiven, Belastungen und Gesundheit (2005). Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 39, Hrsg: GEK – Gmünder ErsatzKasse.Schmale, H., Schmidtke, H.: Der Orchestermusiker, seine Arbeit und seine Belastung. Mainz 1985.
Seidel, E. J.: Vergleichende Studie zu klinisch relevanten Belastungsfaktoren und Belastungskomplexen bei Musikstudenten und Berufsmusikern. Vortrag, 6. Internationaler Kongress für Musikermedizin und Musikphysiologie. Berlin 1998.
4. Lehrergesundheit
Obgleich die berufliche Be- und Überlastung von Lehrern gesellschaftlich noch nicht anerkannt ist, - die Lehrer haben die längsten Ferien und können sich die Zeit zu Hause einteilen - sind bereits über 20% aller Lehrer in Deutschland ausgebrannt und ein erheblicher Teil der aktiven Lehrerschaft wird als Burnout-gefährdet eingeschätzt. Professor Uwe Schaarschmidt vom Institut für Psychologie der Universität Potsdam hat vier Lehrer-Typen beschrieben, entsprechend den Stress-Persönlichkeitstypen nach Friedman und Rosenman: Risikotyp A, der Perfektionistische, welcher der Arbeit die Priorität im Leben gibt, sich schlecht abgrenzen kann und wenig Widerstandsfähigkeit bei Konflikten aufweist, Risikotyp B, der eine hohe Resignationstendenz sowie geringe Ausprägungen bei der offensiven Problembewältigung und der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit zeigt, der Typ G, welcher sich für die Arbeit engagiert und motiviert ist, sich aber auch abgrenzen kann und widerstandsfähig gegenüber Belastungen ist und Typ S, welcher sich zu schonen und zu distanzieren weiß, bei einer niedrigen Resignationstendenz und einer hohen Ausprägung an innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und Widerstandsfähigkeit gegenüber den beruflichen Belastungen. Untersuchungen mit einer relativ großen Stichprobe von Schaarschmidt und Kollegen ergaben, dass über
30% der untersuchten Lehrer eine Persönlichkeit von Typ A und ca. 30% eine Persönlichkeitsstruktur Typ B aufweisen.
Das Durchschnittsalter der Frühpensionierungen liegt bei Lehrkräften bei 54 Jahren. Fast die Hälfte (48%) der Frühpensionierungen erfolgt aufgrund psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen. Mindestens jeder Zweite geht in Rente, bevor er das entsprechende Alter erreicht hat.
Gründe hierfür sind die großen Klassen und Konflikte mit zum Teil aggressiven und schwer zu motivierenden Kindern. Weiterhin überfordern Spannungsfelder zwischen Schülern, Eltern und Schulleitung/Schulamt viele Lehrer und schüren Versagensängste. Einige Lehrer bemerken erst nach Jahren durch zunehmende Beschwerden, dass sie für den Beruf gar nicht geeignet sind. Chronische Erschöpfung, Schlafstörung, frühes Aufwachen, Angst, Reizbarkeit, Schwindel, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Probleme ebnen den Weg in die Abwärtsspirale. Oft kreisen die Gedanken immer stärker um den nächsten Tag.
Zu Beginn der Therapie an der Saale Reha-Klinik I steht die Diagnostik durch die psychosomatische Anamnese, die Erfassung der Biografie, Formulierung der Psychodynamik oder Verhaltensanalyse. Weiterhin wird das Ergebnis des oben beschriebenen AVEM-Test (Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster) von Schaarschmidt von Bedeutung sein. Der AVEM-Test erlaubt Aussagen über gesundheitsförderliche bzw. -gefährdende Verhaltens- und Erlebensmuster bei der Bewältigung von Arbeits- und Berufsanforderungen.
Die Therapie besteht im Wesentlichen in der Selbsterfahrung und im Erlernen von Stressbewältigungs- und Konfliktlösungsstrategien, Selbstkontrolltechniken sowie in der Steigerung des Selbstwertgefühls und der Selbstwirksamkeit. Ebenso wichtig ist für die Zielgruppe der Lehrer das Erlernen von Entspannungsverfahren und der Verbesserung körperlicher Fitness. Weiterhin ist für eine erfolgreiche Reintegration ins Berufsleben eine Ressourcenaktivierung bedeutungsvoll.
Literatur:
Bauer, J., Stamm, A., Virnich, K., Wissing, K., Müller, U., Wirsching, M., Schaarschmidt, U. Correlation between burnout syndrome and psychological and psychosomatic symptoms among teachers Int Arch Occup Environ Health (2006) 79: 199–204
Schaarschmidt, U. & Fischer, A.W. (1996, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage
2003). AVEM - Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster. Frankfurt/M.:
Swets Test Services.
Schaarschmidt, U. & Fischer, A.W. (2001). Bewältigungsmuster im Beruf.
Persönlichkeitsunterschiede in der Auseinandersetzung mit der Arbeitsbelastung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Dr. Gerd Kötschau, Susanne Greupner, Dana Böhm, Prof. Scott Stock Gissendanner
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